Radar statt Kontaktmatte: Kleine Delirstudie untersucht Stürze beim Verlassen des Betts
Eine Studie von 2026 vergleicht zwei Überwachungssysteme. Niedrigere beobachtete Sturzraten sind interessant, reichen aber nicht für eine allgemeine Produktempfehlung.

Technische Warnsysteme sollen Pflegekräfte darauf aufmerksam machen, wenn ein gefährdeter Mensch das Bett verlässt. Ob daraus eine hilfreiche Unterstützung entsteht, hängt jedoch auch vom anschließenden Reaktionsweg ab. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung auf einer spezialisierten Delirstation verglich ein kontaktloses Radarsystem mit einer Kontaktmatte. Die Ergebnisse bieten einen Forschungsansatz, lassen aber keine allgemeine Entscheidung für sämtliche Einrichtungen zu.
Den untersuchten Vergleich nachvollziehen
Die prospektive kontrollierte Studie umfasste 119 Menschen mit Delir im Alter von mindestens 65 Jahren. Insgesamt wurden 1.799 Patiententage ausgewertet. Die Zuteilung zu Kontaktmatte oder Radarüberwachung erfolgte nach der Zimmerverfügbarkeit und nicht zufällig.
Berichtet wurden 22,6 gegenüber 11,5 bettausstiegsbezogene Stürze je 1.000 Patiententage zugunsten der Radargruppe. Auch die Zahl der Warnungen und die pflegerischen Anwesenheitszeiten waren im Vergleich geringer. Zur objektiveren Prüfung von Sturzereignissen wurden ausschließlich für die Forschung ereignisgesteuerte Wärmebildaufnahmen eingesetzt. Das Radarsystem selbst erzeugte nach den Studienangaben keine Videodaten. Grundlage dieser Darstellung ist der veröffentlichte Abstract.
Die Grenzen der Übertragbarkeit berücksichtigen
Die Untersuchung fand auf einer einzelnen Station mit einer kleinen, speziell ausgewählten Gruppe statt. Ohne zufällige Zuteilung können Unterschiede zwischen Zimmern, Personen und Versorgungsabläufen zum Ergebnis beigetragen haben. Eine allgemeine Überlegenheit in jeder Pflegeeinrichtung ist damit nicht belegt.
Auch geringere Anwesenheitszeiten sind nicht automatisch mit besserer Pflege gleichzusetzen. Für eine Bewertung müsste geklärt werden, welche Tätigkeiten entfallen oder sich verlagern und ob notwendige Hilfe weiterhin rechtzeitig eintrifft. Die reine Anzahl von Warnungen bildet diese Zusammenhänge nur teilweise ab.
Ereignisraten von Personenzahlen unterscheiden
Die Einheit Patiententage bezieht die Beobachtungsdauer ein. Ein rein rechnerisches Beispiel: 100 Menschen mit jeweils zehn beobachteten Tagen ergeben zusammen 1.000 Patiententage. Damit wird die Einheit erklärt, nicht die tatsächliche Zusammensetzung der Studie beschrieben.
Zwischen den berichteten Raten liegt eine Differenz von 11,1 bettausstiegsbezogenen Stürzen je 1.000 Patiententage. Daraus folgt nicht, dass unter 1.000 Menschen genau 11,1 Personen weniger stürzen. Ereignisse, betroffene Personen und beobachtete Zeit sind unterschiedliche Bezugsgrößen; auch wiederholte Ereignisse können in eine Rate eingehen.
Vor einer eigenen Erprobung muss daher feststehen, welche Ergebnisse betrachtet werden sollen. Alle Stürze, bestimmte Ereignisse beim Verlassen des Betts, Verletzungen und Reaktionszeiten beantworten verschiedene Fragen. Werden diese Größen vermischt, kann die Bedeutung eines technischen Systems verzerrt erscheinen.
Technik mit den örtlichen Abläufen verbinden
Eine Einrichtung sollte zunächst ihr konkretes Problem benennen. Zu späte Warnungen, zahlreiche Fehlalarme und fehlende Reaktionsmöglichkeiten erfordern unterschiedliche Lösungen. Ein Cochrane-Review zur Sturzprävention im Krankenhaus von 2026 fand Hinweise auf günstigere Ergebnisse bei Angeboten, die zu örtlichen Abläufen passen, individuell angepasst werden und Betroffene oder Angehörige beteiligen. Dies belegt nicht die Wirksamkeit eines bestimmten Radargeräts.
Für eine Erprobung sind Zuständigkeiten, Reaktionswege, Erfolgskriterien und die Beteiligung der betroffenen Menschen zu klären. Ebenso gelten die jeweiligen Datenschutzanforderungen. Zusätzliche Aufnahmen in einer Forschungsstudie erlauben keine vergleichbaren Aufzeichnungen im normalen Pflegealltag. Für eine Kaufentscheidung reichen die vorliegenden Ergebnisse allein nicht aus; erforderlich bleibt die Prüfung, ob Technik und Organisation unter den eigenen Bedingungen zusammenpassen.
Quellen dieses Beitrags
- prospektive kontrollierte Untersuchung (Recherchestand: 25.09.2026)
- Cochrane-Review zur Sturzprävention im Krankenhaus von 2026 (Recherchestand: 25.09.2026)