Trinken im Pflegealltag unterstützen: Vom bereitgestellten Glas zur tatsächlichen Aufnahme
Wie Pflegefachpersonen und Angehörige Trinkangebote verständlich planen, praktische Hindernisse erkennen und Auffälligkeiten weitergeben können.

Im Pflegealltag gehört das Bereitstellen von Getränken zu den regelmäßig wiederkehrenden Aufgaben. Ob der Pflegebedürftige die angebotene Flüssigkeit tatsächlich zu sich nimmt, lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten. Insbesondere bei eingeschränkter Beweglichkeit oder einem erhöhten Unterstützungsbedarf muss betrachtet werden, unter welchen Bedingungen das Trinken gelingt. Ein Trinkplan sollte deshalb die Gewohnheiten der Person ebenso berücksichtigen wie die erforderliche Hilfe.
Individuelle Vorgaben als Grundlage der Unterstützung
Im ersten Schritt ist zu klären, ob persönliche Vorgaben zur Trinkmenge oder zur Konsistenz bestehen. Allgemeine Empfehlungen können diese Festlegungen nicht ersetzen. Sind die Angaben unvollständig oder widersprüchlich, bedarf es einer fachlichen Rücksprache, bevor daraus Maßnahmen für den Alltag abgeleitet werden.
Der NHS beschreibt in seiner Information zur Dehydratation regelmäßige Trinkangebote, Getränke zu den Mahlzeiten und einen jederzeit möglichen Zugang zu Flüssigkeit als Formen der Unterstützung. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, einen Flüssigkeitsmangel zu entwickeln. Auch Erkrankungen, die mit Flüssigkeitsverlusten einhergehen, können eine erneute Betrachtung der Situation erforderlich machen.
Die praktische Durchführung beobachten
Für die Pflegekraft ergibt sich daraus die Aufgabe, den konkreten Trinkvorgang anzusehen. Hierzu wird ein übliches Getränk im vertrauten Gefäß angeboten. Die Person zeigt, wie sie danach greift, das Gefäß anhebt und daraus trinkt. Auf diese Weise lässt sich erkennen, ob eine Erinnerung genügt, der Becher anders aufgestellt werden muss oder weitergehende Hilfe erforderlich ist. Auch NICE CG138 hebt erreichbare Getränke, passende Trinkhilfen und die notwendige Unterstützung hervor.
Die vereinbarten Trinkgelegenheiten sollten sich in den Tagesablauf einfügen und den Wünschen des Pflegebedürftigen entsprechen. Geschmack und Temperatur können dabei ebenso eine Rolle spielen wie der Zeitpunkt. Bleibt ein Getränk regelmäßig stehen, ist deshalb zunächst die Ursache zu ermitteln. Eine größere bereitgestellte Menge behebt weder Schwierigkeiten beim Greifen noch Probleme beim Öffnen des Gefäßes.
Aufnahme und Angebot nachvollziehbar dokumentieren
Wird eine Trinkbeobachtung vereinbart, muss feststehen, welche Fragestellung damit beantwortet werden soll. So kann beispielsweise geprüft werden, ob die individuell festgelegte Aufnahme erreicht wird. Alle Beteiligten müssen wissen, dass die angebotene Menge nicht ohne Weiteres als getrunken eingetragen werden darf. Dies gilt besonders dann, wenn zwischendurch nachgefüllt wird.
Ein rein rechnerisches Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Enthält ein Becher zunächst 200 Milliliter und verbleiben später 80 Milliliter, wurden 120 Milliliter aufgenommen, sofern nichts verschüttet oder nachgeschenkt wurde. Bei einer zwischenzeitlichen Nachfüllung lässt sich diese Menge aus dem Rest allein nicht ermitteln. Die Zahlen erläutern ausschließlich die Dokumentation und stellen keine Trinkempfehlung dar.
Im Team ist daher abzustimmen, wer Getränke nachfüllt und wer die Aufnahme dokumentiert. Angehörige benötigen dieselben Informationen, wenn sie unterstützen. Eine geschätzte Menge sollte als Schätzung erkennbar bleiben. Zeigen sich Abweichungen, muss außerdem ein vereinbarter Rückmeldeweg bestehen, damit erforderlichenfalls eine neue fachliche Beurteilung erfolgt.
Veränderungen rechtzeitig einordnen lassen
Vermindertes Wasserlassen, Schwindel und Müdigkeit gehören nach den Angaben des NHS zu möglichen Hinweisen auf einen Flüssigkeitsmangel. Ausgeprägte Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Atemprobleme können eine dringende beziehungsweise notfallmäßige Beurteilung erfordern. In einer solchen Situation reicht es nicht aus, lediglich ein weiteres Glas anzubieten.
Eine geeignete Anleitung verbindet somit die alltägliche Unterstützung mit klaren Absprachen zum weiteren Vorgehen. Der Pflegebedürftige und die beteiligten Personen sollten wissen, welche Hilfe beim Trinken vorgesehen ist und bei welchen Veränderungen erneut fachliche Unterstützung hinzugezogen werden muss.
Quellen dieses Beitrags
- NHS-Information zu Dehydratation (Recherchestand: 25.09.2026)
- NICE CG138 (Recherchestand: 25.09.2026)