Reibung und Scherkräfte: Weshalb Bewegungsunterstützung genau geplant werden muss

Wer im Bett nach unten gerutscht ist, braucht häufig Unterstützung, um wieder bequem zu liegen. Ein kurzer Zug an Schultern oder Unterlage scheint die Situation rasch zu lösen. Entscheidend ist jedoch, was dabei mit der Haut und dem darunterliegenden Gewebe geschieht. Bewegungsunterstützung beginnt deshalb mit einer Einschätzung und einem gemeinsamen Plan.
Kräfte unterscheiden
Reibung entsteht an Kontaktflächen, etwa wenn Haut über ein Bettlaken gezogen wird. Scherkräfte verschieben Gewebeschichten gegeneinander. Das kann beispielsweise geschehen, wenn der Körper bei aufgerichtetem Oberkörper abwärtsrutscht, während die Haut an der Unterlage haftet. Eine äußerlich unverletzte Haut schließt eine Belastung tieferer Strukturen nicht aus. Druck, Dauer und individuelle Gewebeempfindlichkeit gehören zur Beurteilung.
Die internationale Dekubitusleitlinie empfiehlt geeignete Hilfsmittel und Bewegungsweisen, die Reibung und Scherkräfte vermindern. Sie betont zugleich, dass auch eine druckverteilende Matratze notwendige Positionswechsel nicht vollständig ersetzt. Daraus folgt keine einheitliche Technik für alle Menschen. Fähigkeiten, Körpermaße, Schmerzen und vorhandene Einschränkungen bestimmen die Auswahl.
Bewegung gemeinsam vorbereiten
Zunächst wird erklärt, welche Veränderung geplant ist. Die Person beschreibt möglichst selbst, was unangenehm ist und welche Bewegung sie übernehmen kann. Vielleicht gelingt das Anwinkeln eines Beines oder ein gezieltes Verlagern des Gewichts. Diese Möglichkeiten werden genutzt, ohne eine Leistung zu verlangen, die Schmerzen oder Überforderung auslöst. Zustimmung und ein verständliches Startsignal erleichtern die Zusammenarbeit.
Vor dem Beginn werden benötigte Hilfsmittel, ausreichend Platz und gegebenenfalls eine zweite eingewiesene Person organisiert. Leitungen, Katheter und Kleidung dürfen nicht unter Zug geraten. Welche Unterstützung sicher ist, richtet sich nach Einweisung, Herstellerangaben und dem individuellen Versorgungsplan. Eine fehlende Gleitunterlage wird nicht durch improvisiertes Ziehen ersetzt.
Ein Beispiel: Eine Bewohnerin rutscht nach dem Mittagessen regelmäßig im Bett ab. Nur ihre Ausgangsposition wiederherzustellen, würde das wiederkehrende Problem offenlassen. Das Team prüft deshalb die Sitzunterstützung, ihre Eigenbewegung und den Zeitpunkt der anschließenden Ruhephase. Dabei wird auch geklärt, ob die gewählte Position aus medizinischen Gründen erforderlich ist und wie sie hautschonend gestaltet werden kann.
Nach der Unterstützung kontrollieren
Die Kontrolle endet nicht mit einer geraden Bettdecke. Liegt die Person bequem? Sind belastete Stellen tatsächlich entlastet? Ziehen Stofflagen an der Haut? Sind Gegenstände oder Schläuche unter den Körper geraten? Auch kleine Korrekturen können nötig sein. Transferhilfen bleiben nur liegen, wenn sie dafür vorgesehen sind und dies zur Versorgung passt.
Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt neben Hautverfärbungen auch veränderte Festigkeit, Wärme und Schmerzen als mögliche Hinweise auf Druckschäden. Solche Veränderungen werden fachlich eingeschätzt und zeitnah weitergegeben. Bei dunkler Haut genügt die Suche nach einer auffälligen Rötung nicht. Beobachtung und behutsames Nachfragen ergänzen einander.
Auch Angehörige brauchen eine praktische Einweisung, wenn sie unterstützen. Dabei wird die Bewegung am vorhandenen Bett gezeigt und anschließend gemeinsam erprobt. Ungeeignete Arbeitshöhen, zu wenig Platz oder fehlende Kraft werden angesprochen. Die Planung muss unter den tatsächlichen Bedingungen funktionieren und darf notwendige Unterstützung nicht voraussetzen.
Für die nächste Schicht ist eine konkrete Dokumentation hilfreicher als „gelagert“. Sie beschreibt die gewählte Unterstützung, die Reaktion der Person und auffällige Hautstellen. Wiederholtes Abrutschen oder Schmerzen werden als Anlass zur erneuten Planung festgehalten. So entsteht aus einzelnen Handgriffen ein nachvollziehbarer Ablauf, der Sicherheit, Wohlbefinden und vorhandene Selbstständigkeit miteinander verbindet.
Quellen dieses Beitrags
- internationale Dekubitusleitlinie (Recherchestand: 02.10.2026)
- britische Gesundheitsdienst NHS (Recherchestand: 02.10.2026)