Ernährung bei Dekubitus: Bedarf klären, Unterstützung passend auswählen
Ernährungsprobleme gehören in die Dekubitusversorgung. Warum Screening und individuelle Planung wichtiger sind als pauschale Zusatzprodukte.

Bei der Versorgung eines Dekubitus sollte nicht ausschließlich die Wunde betrachtet werden. Auch die Frage, ob der Pflegebedürftige ausreichend und seinem Bedarf entsprechend essen kann, gehört zur Beurteilung. Eine zusätzliche Trinknahrung ist dabei nicht automatisch die passende Lösung. Zunächst muss geklärt werden, welches Ernährungsproblem besteht und wodurch die Nahrungsaufnahme im konkreten Fall erschwert wird.
Ernährungsrisiko erkennen und Bedarf genauer beurteilen
Das Ernährungskapitel der International Guideline empfiehlt ein Ernährungsscreening bei Dekubitusgefährdung. Bei bestehendem Druckschaden beziehungsweise erkanntem Mangelernährungsrisiko soll eine umfassendere Beurteilung erfolgen. Ergänzende Maßnahmen kommen unter anderem dann in Betracht, wenn der Bedarf über die übliche Ernährung nicht gedeckt wird.
Die Sicherheit der Evidenz ist dabei je nach Fragestellung begrenzt. Auch der Cochrane-Review von 2024 beschreibt bei vielen Supplementzusammensetzungen Unsicherheit hinsichtlich Nutzen und unerwünschter Wirkungen. Eine Sonde allein zur Dekubitusprävention wird nicht empfohlen. Die Entscheidung über künstliche Ernährung erfordert eine eigenständige Abwägung von Zielen, Nutzen, Belastungen und den Wünschen der betroffenen Person. Aus einem Druckschaden allein lässt sie sich nicht ableiten.
Die Schwierigkeiten beim Essen konkret erfassen
Im pflegerischen Gespräch und bei der Beobachtung ist deshalb wichtig, was angeboten und tatsächlich aufgenommen wurde. Auch benötigte Hilfe und erkennbare Schwierigkeiten gehören dazu. Die Formulierung „isst schlecht“ lässt dagegen offen, ob die Menge, die Auswahl der Speisen, fehlende Unterstützung oder ein anderes Problem gemeint ist.
Ein fiktives Beispiel: Ein Pflegebedürftiger lässt wiederholt die Hauptmahlzeit stehen, nimmt jedoch ein später angebotenes vertrautes Gericht an. Daraus ergibt sich noch keine vollständige Ernährungsdiagnose. Die Beobachtung bietet aber einen Ansatz für die weitere Planung. Es kann geprüft werden, wie sich das Angebot besser an die Person anpassen lässt und welcher Bedarf dadurch möglicherweise weiterhin ungedeckt bleibt.
Bereitstellung und tatsächliche Aufnahme unterscheiden
Auch ein verordnetes ergänzendes Angebot kann im Alltag an unterschiedlichen Stellen scheitern. Wird es nicht rechtzeitig bereitgestellt, nicht angenommen oder nur teilweise aufgenommen, entstehen jeweils andere Rückfragen. Die Menge der vorhandenen Produkte im Vorrat erlaubt darüber keine Aussage.
Für die gemeinsame Besprechung können Pflegekräfte deshalb festhalten, welche Menge angeboten und aufgenommen wurde, welche Unterstützung erforderlich war und welche Gründe der Pflegebedürftige selbst für Schwierigkeiten nennt. Dabei sollte erkennbar bleiben, ob eine Angabe beobachtet, berichtet oder geschätzt wurde. Auf dieser Grundlage können die zuständigen Fachpersonen beurteilen, ob die gewählte Maßnahme zum ermittelten Bedarf passt.
Ernährungs- und Wundverlauf gemeinsam einordnen
Bei der weiteren Bewertung werden die ernährungsbezogenen Angaben mit der Wundbeurteilung zusammengeführt. Eine Veränderung der Wunde darf jedoch nicht ohne Weiteres einem einzelnen Produkt zugeschrieben werden. Gleichzeitig können sich beispielsweise die Druckentlastung, die Behandlung oder der Allgemeinzustand verändert haben. Der beobachtete Verlauf stellt deshalb keinen eigenständigen Wirksamkeitsnachweis dar.
Die Leitlinie nennt die Unterstützung bei Mahlzeiten und eine individuelle Ernährungsplanung als Bestandteile der Versorgung. Das Team sollte insofern nachvollziehbar festhalten, welches Ziel mit der jeweiligen Maßnahme verfolgt wird. Eine Lieferung oder Verordnung beantwortet noch nicht, ob die Person das Angebot annimmt.
Ernährungsunterstützung ist damit ein Teil der umfassenden Dekubitusversorgung. Sie sollte weder unberücksichtigt bleiben noch als alleinige Lösung verstanden werden. Nach der Auswahl bleibt zu prüfen, ob das Angebot tatsächlich aufgenommen wird und den festgestellten Bedarf besser deckt. Maßgeblich ist die konkrete Situation des Pflegebedürftigen.
Quellen dieses Beitrags
- Cochrane-Review von 2024 (Recherchestand: 25.09.2026)
- Ernährungskapitel der International Guideline (Recherchestand: 25.09.2026)