Druckverteilende Matratzen: Die Auswahl endet nicht bei der Produktbezeichnung
Welche Fragen bei der Auswahl einer Matratze zur Dekubitusprävention zählen und warum Passform, Anwendung und Verfügbarkeit dazugehören.

Eine druckverteilende Matratze kann ihren vorgesehenen Zweck nur erfüllen, wenn sie zur pflegebedürftigen Person, zum Bett und zur Versorgungssituation passt. Die Produktbezeichnung allein reicht für diese Entscheidung nicht aus. Im Rahmen der Auswahl sind deshalb neben den fachlichen Anforderungen auch die sichere Anwendung, die Wartung und die praktische Nutzung im Alltag zu berücksichtigen.
Person und vorhandenes Bett gemeinsam betrachten
Das Kapitel zu Ganzkörperunterlagen der internationalen Dekubitusleitlinie empfiehlt für gefährdete Menschen druckverteilende Schaumstoffunterlagen und beschreibt weitere Möglichkeiten für unterschiedliche Situationen. Körpergröße, Gewicht und Gewichtsverteilung sind dabei ebenso wichtig wie die korrekte Passung zum Bett. Zusätzliche Auflagen können beispielsweise die Höhe gegenüber den Seitenelementen verändern. Schlecht aufeinander abgestimmte Systeme können dadurch Sicherheitsprobleme verursachen.
Auch die Materialien zwischen dem Pflegebedürftigen und der Unterlage sind zu beachten. Bettwäsche oder zusätzliche Auflagen sollen deren Funktion nicht beeinträchtigen. Mehrere unnötige Schichten sind daher nicht lediglich eine bedeutungslose Ergänzung. Zur Anwendung gehören außerdem die Herstellerangaben zu Nutzung, Reinigung und Wartung. Eine Empfehlung für hochwertige Schaumstoffmatratzen bei erhöhtem Risiko findet sich ebenfalls in NICE CG179.
Anforderungen vor der Beschaffung klären
Für eine örtliche Beschaffung empfiehlt es sich, zunächst die benötigten Eigenschaften zu beschreiben. Dabei wird geklärt, für welche Personengruppe das System vorgesehen ist und welche Bettmodelle bereits vorhanden sind. Ebenso sollte feststehen, wer die Unterlage vor dem ersten Einsatz prüft und wie ein möglicher Defekt erkannt und gemeldet wird. Der Preisvergleich ist somit nur ein Bestandteil der Entscheidung.
Ein fiktives Beispiel zeigt die organisatorische Bedeutung: Am Abend trifft ein technisch geeignetes System ein, dessen Bedienung im anwesenden Team jedoch niemand kennt. Die Lieferung ist damit erfolgt, die sichere Nutzung aber noch nicht geklärt. Eine Einweisung und erreichbare Unterstützung sollten deshalb bereits vor der Bereitstellung organisiert werden.
Erfahrungen aus der Anwendung gezielt aufnehmen
Beim ersten Einsatz müssen die wesentlichen Angaben zusammengeführt werden. Dazu gehören die vorgesehene Person, die Passung zum Bett, die durchgeführte Einweisung und der Aufbewahrungsort der Herstellerhinweise. Bei technischen Schwierigkeiten benötigt das Team zudem einen erreichbaren Ansprechpartner.
Der Pflegebedürftige selbst kann wichtige Hinweise zum Komfort und zur Handhabung geben. Diese Rückmeldungen sind mit der fachlichen Beurteilung zu verbinden. Denn auch eine technisch einwandfreie Lieferung beantwortet noch nicht, ob die im Alltag vorgesehenen Bewegungen mit dem ausgewählten System praktikabel sind.
Für eine spätere Anpassung ist eine konkrete Problembeschreibung hilfreicher als eine allgemeine Bewertung des Produkts. Wiederkehrende Fragen zur Bedienung erfordern andere Schritte als ein Defekt oder eine veränderte Versorgungssituation. Werden diese Ursachen unterschieden, kann gezielter nachgebessert und eine weitere Beschaffung nachvollziehbarer begründet werden.
Eine geeignete Alternative erreichbar halten
Auch für einen Ausfall sollte das Vorgehen geklärt sein. Das Pflegeteam muss wissen, wer eine passende Alternative organisiert. Ein Gerät im Lager ist nur dann praktisch nutzbar, wenn sein Zustand, das benötigte Zubehör und die tatsächliche Verfügbarkeit bekannt sind.
Beschaffung, Pflege und gegebenenfalls weitere Fachpersonen sollten deshalb zusammenarbeiten. Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch, dass ein System für jeden Pflegebedürftigen besser geeignet ist. Entscheidend bleibt, ob die gewählte Unterlage die festgelegten Anforderungen erfüllt und in das individuelle Präventionskonzept eingebunden werden kann. Diese Beurteilung endet nicht mit der Lieferung, sondern setzt sich während der Anwendung fort.
Quellen dieses Beitrags
- Kapitel zu Ganzkörperunterlagen (Recherchestand: 25.09.2026)
- NICE CG179 (Recherchestand: 25.09.2026)