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Dekubitus

Dekubitusprävention im Sitzen: Teilhabe und Gewebeschutz gemeinsam planen

Sitzen braucht bei Dekubitusrisiko eine eigene Planung. Welche Rolle Sitzsystem, Eigenbewegung und persönliche Alltagsziele spielen.

Für viele Pflegebedürftige gehört das Sitzen zu einem selbstbestimmten Alltag. Gemeinsam am Tisch zu essen, einen Besuch zu empfangen oder an einem Gruppenangebot teilzunehmen, kann eine große persönliche Bedeutung haben. Besteht zugleich ein Dekubitusrisiko, muss die Belastung des Gewebes berücksichtigt werden. Eine angemessene Sitzplanung verbindet deshalb die individuellen Wünsche mit dem notwendigen Gewebeschutz.

Das Sitzsystem an der individuellen Situation ausrichten

Das Leitlinienkapitel zum Sitzen berücksichtigt bei der Auswahl von Stuhl oder Rollstuhl die Körpermaße, Haltung, Bewegungsfähigkeit und Bedürfnisse der Person sowie die Druckverteilung. Für gefährdete Menschen werden geeignete druckverteilende Sitzunterlagen empfohlen. Kann sich ein Pflegebedürftiger im Sitzen nicht selbst umpositionieren, müssen Sitzzeiten und Unterstützung besonders sorgfältig geplant werden.

Die Empfehlung zur Begrenzung der Sitzzeiten ist bedingt und beruht auf Evidenz sehr geringer Sicherheit. Die konkrete Planung richtet sich daher nach der Situation und der Gewebeverträglichkeit. Insbesondere bei längerfristiger Rollstuhlnutzung sind Lebensqualität und persönliche Lebensführung ausdrücklich einzubeziehen. Auch NICE CG179 empfiehlt, den Sitzbedarf zu beurteilen und bei längerem Sitzen druckverteilende Kissen zu erwägen. Eine einheitliche tägliche Sitzdauer für alle Menschen lässt sich daraus nicht ableiten.

Ein persönliches Ziel zum Ausgangspunkt machen

Im Gespräch kann zunächst geklärt werden, welche Alltagssituation dem Pflegebedürftigen wichtig ist. Aus dem Wunsch nach einer gemeinsamen Mahlzeit oder einem Besuch ergibt sich dann die Frage, welche fachlich geeignete Unterstützung hierfür benötigt wird und wie sie zeitlich organisiert werden kann.

Zwei erfundene Planeinträge verdeutlichen den Unterschied. Die Formulierung „soll täglich lange aus dem Bett“ nennt weder ein persönliches Ziel noch eine Grundlage für die spätere Bewertung. Wird dagegen die Teilnahme an einem vereinbarten Nachmittagsgespräch mit individuell geplantem Sitzsystem und anschließender Beurteilung beschrieben, ist die Absicht nachvollziehbar. Die konkrete Dauer und Position müssen dabei fachlich festgelegt werden; das Beispiel gibt hierfür keine allgemeine Vorgabe.

Unterstützung vor, während und nach einem Termin planen

So kann beispielsweise ein angekündigter Familienbesuch als redaktionelles Planungsszenario dienen. Gemeinsam wird besprochen, welche Sitzsituation geeignet ist und wie die erforderliche Unterstützung vor, während und nach dem Besuch bereitgestellt wird. Auch aus diesem Anlass lässt sich keine für andere Personen gültige Sitzdauer ableiten.

Bei der anschließenden Bewertung werden die Haut- und Gewebesituation, der Komfort und das persönliche Ziel zusammen betrachtet. Es ist von Bedeutung, ob die Teilnahme angenehm war, Schwierigkeiten mit dem Sitzsystem auftraten oder die vereinbarte Unterstützung tatsächlich erfolgen konnte. Diese Rückmeldung zeigt, was für einen weiteren Termin angepasst werden sollte.

Die Beteiligung des Pflegebedürftigen besteht damit nicht nur darin, einem bereits fertigen Plan zuzustimmen. Seine Prioritäten fließen bereits in die Auswahl einer praktikablen Lösung ein und werden im Verlauf erneut berücksichtigt.

Veränderungen verständlich weitergeben

Die Planung sollte für alle Beteiligten nachvollziehbar sein. Rutscht die Person wiederholt ab, toleriert sie ein Hilfsmittel nicht oder fehlt die vorgesehene Hilfe, benötigt das Team eine konkrete Rückmeldung. Ein formal vorhandener Pflegeplan bleibt sonst im Alltag unzureichend. Bei komplexen Anforderungen empfiehlt die Leitlinie die Beteiligung von Fachpersonen mit besonderer Erfahrung in der Sitzversorgung.

Letztlich müssen Gewebeschutz und Lebensführung gemeinsam betrachtet werden. Weder eine Aktivierungsroutine ohne Beachtung der Belastung noch eine vermeintlich sichere Lösung, die persönliche Ziele vollständig ausblendet, wird der individuellen Pflege gerecht. Eine nachvollziehbare Planung beschreibt deshalb das Ziel, die Unterstützung und die Beobachtungen, die eine erneute Anpassung erforderlich machen.

Quellen dieses Beitrags
  1. Leitlinienkapitel zum Sitzen (Recherchestand: 25.09.2026)
  2. NICE CG179 (Recherchestand: 25.09.2026)