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Dekubitus

Dekubitus richtig einordnen: Kategorien beschreiben Gewebeschäden, keine Heilungsleiter

Warum ein heilender Dekubitus nicht einfach rückwärts kategorisiert wird und weshalb Befundbeschreibung und Einordnung zusammengehören.

Wenn sich ein tiefer Dekubitus im Verlauf verkleinert, wird dies zu Recht als wichtige Entwicklung wahrgenommen. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Wunde automatisch einer niedrigeren Kategorie zugeordnet werden kann. Die internationale Klassifikation beschreibt das Ausmaß der Gewebeschädigung. Sie stellt keine Reihenfolge dar, die ein Druckschaden während der Heilung rückwärts durchläuft. Eine solche Darstellung könnte bei der nächsten Übergabe den ursprünglichen Gewebeschaden unzutreffend erscheinen lassen.

Klassifikation und Heilungsverlauf getrennt beschreiben

Das Klassifikationskapitel der International Guideline nennt die Kategorien beziehungsweise Stadien 1 bis 4 sowie nicht klassifizierbare und tiefe Gewebedruckschäden. Druckschäden an Schleimhäuten werden nicht nach diesem System kategorisiert. Bei heilenden tiefen Druckschäden wird vom Herabstufen abgeraten. Die ursprüngliche Einordnung bleibt, soweit sie bekannt ist, für die Beschreibung des Heilungsverlaufs relevant.

Damit beantworten Kategorie und Verlaufsbeurteilung unterschiedliche Fragen. Die Kategorie allein zeigt noch nicht, ob sich der aktuelle Zustand verbessert hat, und stellt auch keinen vollständigen Behandlungsplan dar. NICE CG179 empfiehlt die Verwendung eines validierten Klassifikationssystems und die Dokumentation bei jeder Beurteilung. Hierzu ist eine nachvollziehbare Beschreibung des Befunds erforderlich.

Unsicherheit bei der Einordnung benennen

Eine verlässliche Klassifikation setzt Kenntnisse der Gewebestrukturen und eine angemessene Untersuchung voraus. Nicht jede Hautläsion ist ein Dekubitus. Zudem weist die internationale Leitlinie darauf hin, dass das tatsächliche Ausmaß einer Schädigung durch die übliche Sicht- und Tastbeurteilung nicht immer vollständig erkennbar ist.

Für die Dokumentation bedeutet dies, Beobachtung und fachliche Schlussfolgerung auseinanderzuhalten. Bleibt die Einordnung unklar, sollte diese Unsicherheit ausdrücklich benannt und eine qualifizierte Beurteilung organisiert werden. Eine vorschnell eingetragene Zahl vermittelt andernfalls eine Sicherheit, die durch den erhobenen Befund nicht gedeckt ist.

Eine Berichtigung ist etwas anderes als Heilung

Ein fiktives Beispiel verdeutlicht das Problem: In der Übergabe steht lediglich „jetzt Kategorie 2 statt 3“. Daraus geht nicht hervor, ob eine zuvor fehlerhafte Klassifikation berichtigt wurde oder ob die Formulierung einen Heilungsfortschritt beschreiben soll. Erst die Erläuterung des Anlasses macht den Eintrag verständlich.

Wird eine frühere Einordnung nach fachlicher Prüfung korrigiert, sollte nachvollziehbar sein, welche Angabe überprüft wurde, wer die neue Beurteilung vorgenommen hat und worauf sie sich stützt. Beim Heilungsverlauf werden dagegen die beobachteten Veränderungen beschrieben. Die Kategorie wird dabei nicht einfach rückwärts heruntergezählt.

Dies ist auch bei der Übernahme eines Pflegebedürftigen aus einer anderen Einrichtung wichtig. Eine nicht ausreichend belegte frühere Klassifikation wird durch bloßes Abschreiben nicht bestätigt. Die vorhandene Information kann mit ihrer Herkunft festgehalten werden, während die notwendige qualifizierte Beurteilung veranlasst wird. Dadurch bleiben der historische Befund, die aktuelle Beobachtung und die fachliche Schlussfolgerung unterscheidbar.

Eine gemeinsame Sprache im Pflegeteam entwickeln

In Fallbesprechungen empfiehlt es sich, strittige Einordnungen anhand eines anerkannten Systems gemeinsam zu prüfen. Die Begriffe sollten innerhalb der Einrichtung einheitlich verwendet werden. Eine Fotografie kann die Verständigung unterstützen, bildet jedoch nicht alle Angaben ab, die bei einer persönlichen Untersuchung erhoben werden können.

Für das Team sollten deshalb auch Quelle und Version des verwendeten Systems zugänglich sein. Dies erleichtert den Umgang mit unterschiedlichen Begriffen aus älteren Schulungen. Eine kurze begründete Korrektur schafft mehr Klarheit als eine stillschweigende Änderung in der Akte. Letztlich unterstützt die Kategorie die Verständigung; sie ersetzt nicht die Beschreibung des Befunds, seines Verlaufs und der verbleibenden Unsicherheit.

Quellen dieses Beitrags
  1. Klassifikationskapitel der International Guideline (Recherchestand: 25.09.2026)
  2. NICE CG179 (Recherchestand: 25.09.2026)