Feedback in der Pflegeausbildung: Aus einer Rückmeldung einen Lernschritt machen
Konkrete Beobachtungen helfen beim Lernen. So können Auszubildende Feedback erfragen, einordnen und eine nächste Übung vereinbaren.

Rückmeldungen gehören zu den wesentlichen Bestandteilen der praktischen Ausbildung. Ihr Nutzen hängt jedoch davon ab, ob die lernende Person nachvollziehen kann, auf welche Handlung sie sich beziehen. Eine allgemeine Aufforderung zu mehr Selbstständigkeit kann Unsicherheit auslösen, wenn die konkrete Erwartung unklar bleibt. Ein hilfreiches Feedback verbindet deshalb eine beobachtete Situation mit einem erreichbaren nächsten Lernschritt.
Beobachtbares Verhalten zum Gegenstand machen
Die US-Gesundheitsbehörde AHRQ beschreibt in ihrem TeamSTEPPS-Werkzeug zum formativen Feedback zeitnahe, respektvolle und konkrete Rückmeldungen, die eine Verbesserung unterstützen. Im Mittelpunkt steht das Verhalten in einer bestimmten Situation. Vermutungen über Persönlichkeit oder Motivation helfen dabei wenig. Auch die Gesprächsumgebung und der gewählte Zeitpunkt beeinflussen, wie eine Rückmeldung aufgenommen werden kann.
Eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2020 fand Hinweise darauf, dass persönliches mündliches Feedback die praktischen Leistungen in Gesundheitsberufen verbessern kann. Die Evidenzqualität war allerdings niedrig. Für ein konkretes Anleitungsgespräch bleibt daher zu prüfen, was beobachtet wurde und welche Veränderung gemeinsam erarbeitet werden kann.
Eine unklare Bewertung durch Nachfragen erschließen
In einem frei entwickelten Übungsbeispiel wird eine Übergabe als unübersichtlich beurteilt. Die auszubildende Person fragt daraufhin, an welcher Stelle der Zusammenhang für die Zuhörenden verloren ging. Im gemeinsamen Gespräch zeigt sich, dass aktuelle Veränderungen und ältere Hintergrundinformationen vermischt waren.
Als nächster Lernschritt wird vereinbart, die kommende Übergabe mit dem aktuellen Anlass zu beginnen und anschließend die dafür bedeutsamen Hintergrundangaben zu ergänzen. Die anleitende Person hört erneut zu und bespricht den Ablauf. Auf diese Weise entsteht aus einer allgemeinen Bewertung ein beobachtbarer Übungsauftrag. Das Beispiel erläutert eine Möglichkeit der Gesprächsführung und stellt keine vorgeschriebene Methode dar.
Gelungene Handlungen und offene Fragen festhalten
Eine Rückmeldung sollte ebenso deutlich machen, was bereits gelingt. Der Hinweis, bei einer unklaren Angabe nachgefragt zu haben, benennt eine konkrete Handlung, die sich auf spätere Situationen übertragen lässt. Eine pauschale positive Bewertung bietet diese Orientierung nur eingeschränkt. Im Lernjournal können deshalb gelungene Entscheidungen neben noch offenen Punkten festgehalten werden.
Bleibt eine Aussage unverständlich, kann die lernende Person das eigene Verständnis in Worte fassen. Sie erläutert beispielsweise, künftig zunächst die Beobachtung zu nennen und anschließend die eigene Vermutung kenntlich zu machen. Die anleitende Person kann diese Zusammenfassung bestätigen oder korrigieren. Eine solche Nachfrage dient der Klärung und bedeutet nicht automatisch, dass Kritik zurückgewiesen wird.
Unterschiedliche Erwartungen gemeinsam klären
Wird eine ausführliche Übergabe einmal gelobt und ein anderes Mal mehr Kürze verlangt, können unterschiedliche Situationen zugrunde liegen. Zunächst sollte daher geklärt werden, welche Information jeweils erforderlich war und welche Angaben fehlten oder als überflüssig erlebt wurden. Konkrete Beispiele helfen bei diesem Gespräch, ohne dass personenbezogene Daten in private Unterlagen übernommen werden müssen.
Bei fortbestehenden Widersprüchen ist ein gemeinsames Gespräch mit den beteiligten Anleitenden sinnvoll. Persönliche Abwertungen oder wiederholte Bloßstellungen müssen gesondert angesprochen werden, gegebenenfalls mit Unterstützung der Pflegeschule oder Ausbildungskoordination. Als Ergebnis sollte ein klarer Lernauftrag stehen: welche Fähigkeit erneut geübt wird, wann sich eine passende Gelegenheit ergibt und wer hierzu Rückmeldung gibt.
Quellen dieses Beitrags
- TeamSTEPPS-Werkzeug zum formativen Feedback (Recherchestand: 25.09.2026)
- systematische Übersicht von 2020 (Recherchestand: 25.09.2026)