Dekubitus im Verlauf beurteilen: Vergleichbare Befunde statt wechselnder Eindrücke
Wie eine einheitliche Verlaufsbeobachtung bei Dekubitus hilft, Verbesserungen, Stillstand und Verschlechterungen rechtzeitig einzuordnen.

In einer Übergabe wird ein Dekubitus gelegentlich mit den Worten beschrieben, er sehe besser aus. Diese Beobachtung kann zutreffen, reicht für eine nachvollziehbare Verlaufsbeurteilung aber noch nicht aus. Wenn unterschiedliche Pflegekräfte eine Wunde beurteilen, müssen ihre Angaben miteinander vergleichbar sein. Erst dadurch lässt sich erkennen, ob sich der Befund tatsächlich verändert hat oder lediglich anders beschrieben wurde.
Regelmäßige Beobachtung und umfassende Beurteilung verbinden
Das Leitlinienkapitel zur Unterstützung der Wundheilung empfiehlt, die Wunde und die umgebende Haut bei jedem Verbandwechsel zu betrachten. Eine umfassende Einschätzung soll zu Beginn und mindestens wöchentlich nach einer konsistenten Methode erfolgen. Bei einer Verschlechterung ist eine frühere vertiefte Beurteilung erforderlich. Zu möglichen Warnzeichen gehören eine zunehmende Größe, mehr Exsudat, mehr nekrotisches Gewebe oder stärkere Schmerzen.
Auch bei stagnierender Heilung soll der Gesamtplan überprüft werden. Die genannten Zeitpunkte bedeuten deshalb nicht, dass bei akuten Auffälligkeiten bis zum nächsten Routinetermin gewartet werden kann. Entscheidend bleibt die gegenwärtige klinische Situation.
Die Grundlage eines Vergleichs nachvollziehbar machen
Für das Pflegeteam empfiehlt sich ein gemeinsames Vorgehen bei der Messung und Beschreibung. NICE CG179 nennt ausdrücklich die Dokumentation der Wundfläche und der geschätzten Tiefe. Wird die Erhebungsmethode verändert, können Zahlen eine Entwicklung nahelegen, die tatsächlich auf der unterschiedlichen Messung beruht. Daher sollte erkennbar sein, wie der jeweilige Befund zustande kam.
Ein fiktives Beispiel verdeutlicht dies: Zwei aufeinanderfolgende Einträge nennen unterschiedliche Wundgrößen, zwischenzeitlich wurde jedoch die Messrichtung geändert. Ohne diese Zusatzinformation lässt sich der Unterschied kaum beurteilen. Die Klärung der Methode ist dann hilfreicher als eine Diskussion über eine vermeintlich beschleunigte Heilung.
Unklare Messungen überprüfen
Bei deutlichen Abweichungen ist zunächst zu prüfen, ob dieselbe Wunde eindeutig zugeordnet, dieselbe Methode verwendet und der Befund ausreichend beschrieben wurde. Eine unklare Messung sollte überprüft werden, anstatt den Verlauf nachträglich passend zu erklären.
In einem rein methodischen Beispiel wird zunächst eine Länge angegeben und später das Produkt aus Länge und Breite. Beide Zahlen beschreiben unterschiedliche Größen und sind deshalb nicht unmittelbar vergleichbar. Dieses Beispiel erläutert einen Dokumentationsfehler; es stellt keine Anleitung zur klinischen Wundvermessung dar.
Nach der methodischen Klärung bleibt die fachliche Einordnung erforderlich. Hierfür werden weitere Befunde, Beschwerden und die bisherige Versorgung berücksichtigt. Eine präzisere Messung verbessert die Entscheidungsgrundlage, trifft jedoch nicht selbst die Behandlungsentscheidung. Bei aktueller Verschlechterung erfolgt die notwendige Rücksprache unabhängig vom nächsten vorgesehenen Vergleichstermin.
Fotografien in die Befundbeschreibung einbetten
Die Leitlinie nennt aufeinanderfolgende Fotografien als mögliche Unterstützung. Diese müssen Teil einer strukturierten Beurteilung bleiben. Sie ersetzen weder die übrigen klinischen Beobachtungen noch das Gespräch über Beschwerden. Zudem müssen Bild und Befund eindeutig zugeordnet werden können.
Vor einer fotografischen Dokumentation sind die geltenden Einwilligungs- und Datenschutzanforderungen zu klären. Die Bilder müssen über die vorgesehenen geschützten Wege zugänglich sein. Eine Sammlung nicht zugeordneter Aufnahmen bietet bei der Übergabe dagegen wenig Nutzen.
Wird eine auffällige Entwicklung festgestellt, sollte außerdem festgehalten werden, wer darüber informiert wurde und welcher nächste Schritt vereinbart ist. Die sorgfältige Beschreibung einer Verschlechterung ersetzt deren Bearbeitung nicht. Erst vergleichbare Befunde, offen benannte Unsicherheit und ein geklärtes weiteres Vorgehen machen die Dokumentation für die individuelle Versorgung nutzbar.
Quellen dieses Beitrags
- Kapitel zur Unterstützung der Wundheilung (Recherchestand: 25.09.2026)
- NICE CG179 (Recherchestand: 25.09.2026)