Fersen entlasten: Auf die tatsächliche Freilage kommt es an
Fersen brauchen bei Dekubitusrisiko besondere Aufmerksamkeit. Was vollständige Entlastung bedeutet und weshalb Schutzmaterial allein nicht genügt.

Die Ferse gehört zu den besonders durch Druckschäden gefährdeten Körperstellen. Im Rahmen der Prävention ist deshalb nicht allein wichtig, ob ein Kissen oder ein anderes Hilfsmittel verwendet wird. Entscheidend ist, ob die Ferse nach dem Positionieren tatsächlich entlastet ist und diese Entlastung im weiteren Verlauf erhalten bleibt. Ein vorhandenes Hilfsmittel sagt für sich genommen noch nichts über das erreichte Ergebnis aus.
Freilage individuell planen
Das Kapitel zur Prävention von Fersendekubitus der internationalen Leitlinie empfiehlt bei gefährdeten Menschen eine Freilage ohne Kontakt der Ferse zur Unterlage. Dabei soll das Gewicht des Beins über die Wade verteilt werden, ohne an anderer Stelle problematischen Druck zu erzeugen. Auswahl und Anwendung müssen zur individuellen Situation passen. Kissen können geeignet sein, wenn sie die Freilage zuverlässig erhalten. Ein Fell allein bewirkt dagegen keine vollständige Entlastung.
Präventive Verbände können nach einer bedingten Empfehlung ergänzend erwogen werden. Sie ersetzen weder die Freilage noch die Kontrolle der darunterliegenden Haut. Zudem bleibt die Evidenz zu verschiedenen Produktvergleichen teilweise unsicher. Eine allgemeine Überlegenheit beliebiger Schutzprodukte lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Wirkung im Pflegealltag überprüfen
Nach dem Positionieren ist deshalb zu betrachten, ob die geplante Entlastung auch nach einer Bewegung oder Lageveränderung noch besteht. Verrutscht die verwendete Hilfe, reicht die ursprüngliche Absicht nicht mehr aus. Für die weitere Versorgung zählt die tatsächliche Lage der Ferse.
Ein fiktives Beispiel für die Fallbesprechung verdeutlicht dies: Bei jedem Dienstwechsel wird ein Fersenhilfsmittel als „vorhanden“ dokumentiert. Es sitzt jedoch wiederholt anders als vorgesehen, ohne dass dies festgehalten wird. Die Dokumentation bestätigt dann lediglich, dass das Material vorhanden ist. Ob es seine Aufgabe erfüllt, bleibt offen. Eine konkrete Beschreibung der Passform und des wiederkehrenden Problems wäre für die nächste Entscheidung hilfreicher.
Wiederkehrende Probleme gemeinsam klären
Liegt die Ferse nach einer Bewegung erneut auf, sollte zunächst dieses Ergebnis beschrieben werden. Anschließend wird mit der zuständigen Fachperson geklärt, unter welchen Bedingungen die gewählte Lösung ihre Wirkung verliert. Ein Pflegebedürftiger mit häufiger Eigenbewegung kann andere Anforderungen an die praktische Anwendung stellen als eine Person, die sich wenig bewegt. Die Auswahl bleibt daher eine individuelle Entscheidung.
Bei einer Rückfrage helfen genaue Angaben zum Hilfsmittel und zur beobachteten Position. Ein Foto kann die Verständigung unterstützen, soweit dies zulässig und fachlich vorgesehen ist. Die persönliche Beurteilung von Passform, Haut und Beschwerden wird dadurch jedoch nicht ersetzt.
Auch nach einer Anpassung muss erneut überprüft werden, ob die Freilage bestehen bleibt und keine andere problematische Kontaktstelle entstanden ist. Ein Wechsel des Materials stellt insofern zunächst nur einen Zwischenschritt dar. Ob die neue Lösung im Alltag geeignet ist, zeigt erst die anschließende Beobachtung.
Betroffene und Angehörige an der konkreten Hilfe anleiten
Werden Angehörige in die Versorgung einbezogen, sollte die Erklärung am tatsächlich verwendeten Hilfsmittel erfolgen. Eine allgemeine Broschüre kann ergänzen, beantwortet aber nicht jede Frage der Anwendung. Die verantwortliche Fachperson prüft deshalb, ob das Vorgehen verstanden wurde und praktisch umsetzbar ist. Auch NICE CG179 empfiehlt eine individuelle Planung der Fersenentlastung mit Betroffenen und gegebenenfalls Angehörigen.
Gleichzeitig muss erkennbar sein, an wen sich die Beteiligten bei neuen Beschwerden oder Hautveränderungen wenden können. Die Entlastungshilfe macht die weitere Beobachtung nicht entbehrlich. Qualität zeigt sich letztlich daran, dass die angestrebte Entlastung erreicht, erhalten und bei Veränderungen erneut beurteilt wird. Die hierfür notwendige individuelle fachliche Einschätzung kann eine allgemeine Beschreibung nicht ersetzen.
Quellen dieses Beitrags
- Kapitel zur Prävention von Fersendekubitus (Recherchestand: 25.09.2026)
- NICE CG179 (Recherchestand: 25.09.2026)